Sie sind weithin sichtbar und prägen die Silhouette der bayrischen Landeshauptstadt München. Die Rede ist von den markanten Türmen der Frauenkirche, offiziell der Dom zu Unserer Lieben Frau oder kurz Münchner Dom genannt. Jeder kennt die Zwillingstürme mit ihren auffälligen Kuppeln, aber selbst viel Münchner waren noch nie oben auf dem Turm, um ihre Stadt aus der Vogelperspektive zu betrachten und die grandiose Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung zu genießen.

„Es sind nur 90 Stufen auf der schmalen Wendeltreppe, das schafft ihr locker“, weiß die Kassiererin im Dom. „Dann könnt ihr in den Aufzug steigen, und der bringt Euch in wenigen Sekunden in eine Höhe von 98,5 Metern zur Aussichtsplattform. Während der Wartezeit auf die nächste Auffahrt informieren Bildschirme zum Beispiel darüber, wie es zu den ungewöhnlichen Turmspitzen kam. Der Architekt Jörg von Halspach hatte den gotischen Kirchenbau im Jahr 1488 nach nur zwanzig Jahren Bauzeit fertiggestellt. Nur die Turmspitzen fehlten. Erst 1525 setzte man die „Welschen Hauben“ (welsch – fremdartig) auf die Türme. Die Bauherren jener Zeit schauten nicht mehr nach Frankreich, dem Mutterland der Gotik, sondern nach Osten, nach Jerusalem mit den wunderschönen Kuppelbauten.
Womit wurden sie nicht alles verglichen – Heinrich Heine fühlte sich von ihrer „stiefelknechtlichen Gestalt“ bedroht und Andy Warhol sah in ihnen sogar deutliche Phallussymbole. Ein anderes Schaubild informiert über die 17jährige Fanny von Ickstatt, die sich 1785 aus Liebeskummer aus der Turmstube stürzte. Auf ihrem Nachttisch fand man Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“, der mit dem Selbstmord eines verzweifelten Verliebten endet.

Dann rauscht der Fahrstuhl hinauf zur gegen Wind und Wetter geschützten Aussichtsplattform. 16 Fenster ermöglichen Ausblicke in alle Richtungen und auf den nicht zu besichtigenden Nordturm. Über kleine Stufen kommen wir direkt an die Fenster. Zu unseren Füßen liegen der Marienplatz mit dem Neuen Rathaus und der Viktualienmarkt. Weiter entfernt sind Olympiastadion und Olympiapark von 1972 auszumachen, und gut zu erkennen ist auch die im gleichen Jahr gebaute BMW-Zentrale. Das 101 Meter hohe Gebäude steht unter Denkmalschutz und zählt mit seiner Erlebnisstätte BMW-Welt zu den meistbesuchten Touristenattraktionen Bayerns. Nicht zu übersehen ist der Uptown Tower. Mit seinen 146 Metern Höhe zählt das moderne Bürogebäude zu den höchsten Bauwerken von München. Fußballfreunde halten Ausschau nach der Allianz Arena. Die Fassade des von den Basler Architekten Herzog & de Meuron entworfenen Stadions besteht aus 2 760 Folienkissen, die in verschiedenen Farben beleuchtet werden können. Das beleuchtete Stadion ist 75 Kilometer weit zu sehen.
Gut zu erkennen ist auch das höchste transportable Riesenrad der Welt, das sich im Werksviertel am Ostbahnhof dreht und von den Münchner liebevoll Umadum genannt wird. Verglaste Gondeln ermöglichen eine 360- Grad-Sicht.

Das Glockenspiel vom Neuen Rathaus kennen alle – aber wer ist schon mal mit dem Aufzug nach oben gefahren. Auch hier ist die Aussicht bis hin den zu Bergen der Alpen überwältigend.
Anstrengend ist dagegen der Aufstieg zur Aussichtsplattform vom Alten Peter. Sie ist nur über 306 Stufen zu erreichen. Wir belohnen uns anschließend mit einem Drink auf der Terrasse des benachbarten Louis Hotels und schauen von dort auf den schlanken Kirchturm. Kurios – es gibt zwei Ziffernblätter. Warum? Karl Valentin wusste es: „Ja mei, damit zwei Leute gleichzeitig auf die Uhr schauen können.“





