1931 war der amerikanische Schriftsteller Paul Bowles auf der Suche nach einem interessanten Urlaubsort. Schriftstellerkollegin Gertrude Stein empfahl das legendäre Tanger. Die nordafrikanische Stadt lag an einem warmen Ort und am Meer. Weltoffen, freizügig und preisgünstig war Tanger damals. Das machte sie attraktiv für Künstler und Literaten, so dass Bowles seinesgleichen finden würde. Er folgte dem Ratschlag, war von der Stadt fasziniert und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1999.
Erinnerungen an Bowles und andere Künstler dieser Zeit werden im American Legation Museum am Rande der alten Medina wach. Ein vergilbtes Filmplakat von „Himmel über den Wolken“ – ein opulenter Bilderrausch nach einem Roman von Bowles durch den italienischen Regisseur Bernardo Bertolucci – ist ebenso zu sehen wie Schwarz-Weiß-Fotografien, die den melancholischen Schriftsteller bei seiner Arbeit an der Schreibmaschine zeigen.

Auch im berühmten Cafe Hafa können Besucher noch etwas von der Atmosphäre jener Zeit nachempfinden, als die Stadt eine sogenannte internationale Zone war, die von europäischen Mächten verwaltet und mit zahlreichen Privilegien ausgestattet war. Das schlicht eingerichtete Cafe sieht noch immer so wie damals aus. Es thront auf terrassenförmig angelegten Klippen und bietet an klaren Tagen eine spektakuläre Aussicht bis zur spanischen Küste. Hier suchten die Künstler Inspirationen, saßen stundenlang bei marokkanischem Minztee. Sie hatten alle Zeit der Welt. Heute ist das Cafe ein absoluter Touristenmagnet, aber die Besucher haben oft nur kurz Zeit für ein Instagram-Foto.

Seit den Zeiten von Bowles hat sich der Charakter von Tanger stark verändert. Mit der Unabhängigkeit Marokkos von Frankreich wurde Tanger im Jahre 1956 Teil des Landes. Viele Amerikaner und Juden verließen die Stadt, die danach zunehmendem Verfall ausgesetzt war. Erst König Mohammed VI. hat die Chancen der Stadt an der Schnittstelle zwischen Afrika und Europa erkannt. Die Einrichtung einer Freihandelszone lockte Investoren an. Es entstanden neue Arbeitsplätze und eine Infrastruktur für Touristen mit luxuriösen Hotels und Yachthafen.
Hauptattraktion für Besucher ist aber immer noch die Medina. Ein Bummel durch das Gewirr enger Gassen mit ineinander verschachtelten, weiß gekalkten Häusern bietet unzählige Fotomotive. Von Souks mit duftenden Gewürzen, Obst und Gemüse über Lederwaren bis hin zu Werkstätten für Schmuck aus Gold und Silber gibt es viel zu entdecken.

Außerhalb der von alten Stadtmauern umgebenen Medina entdecken wir das Gran Teatro Cervantes, das 1913 von den Spaniern erbaut wurde. Das prächtige Jugendstil-Theater war einst das größte Theater Nordafrikas. Caruso trat hier auf, und zum ersten Mal wurde auf seiner Bühne ein Shakespeare-Stück auf Arabisch gespielt. Nach jahrzehntelangem Verfall wird es jetzt zu neuem Leben erweckt. Auch das 1938 eröffnete „Cinema Rif“ im Art-Deco-Stil am Grand Socco zeugt von der internationalen Vergangenheit, als das Kino ein kultureller Treffpunkt war.
Den Charme der 1920er Jahre erleben wir auch in unserem Hotel Fairmont Tazi Palace. Die restaurierte Anlage liegt auf einem Hügel im Herzen von Jebel Kebir, einem mondänen Stadtviertel, das die Einheimischen gern „Tangers Beverly Hills“ nennen. Eingebettet in einen Park mit alten Bäumen bietet das Hotel 133 Zimmer und Suiten mit Tadelakt-Stuck, dekorativen Fliesen, edlem Marmor und handgefertigten Möbeln. Die Gäste dürfen sich zumindest für ein paar Tage wie Könige fühlen – schließlich wohnen sie in der ehemaligen Residenz des Beraters des marokkanischen Königs.
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