Der Tourismus auf den Malediven, der für seine exklusiven Resorts und hohen Preise bekannt ist, befindet sich gerade in einer grundlegenden Transformation. In den letzten Jahren hat die Regierung die Eröffnung von Gästehäusern auf bewohnten Inseln erlaubt, nun kommt auch das Übernachten in Camping-Zelten. All das verändert das Profil der Touristen welche die Malediven bereisen.
Laut dem Tourismusministerium gibt es derzeit mehr als 1.200 Gästehäuser auf 90 bewohnten Inseln, ein deutlicher Sprung gegenüber der Zeit, als der Tourismus fast ausschließlich in isolierten Resorts zugänglich war. Die neuen Regeln ermöglichen es lokalen Familien, direkt von der Branche zu verdienen, und Besucher haben Zugang zum Alltag und zu den von den lokalen Inseln angebotenen Dienstleistungen.
Maverik, so heisst das erste Glamping-Resort des Landes mit nur 24 exklusiven Zelt-Villen, verändert die Geschichte nun nochmals komplett. Versteckt in den unberührten Gewässern des Laamu-Atolls bietet die Insel Mundoo eine seltene Gelegenheit, eine der abgelegensten und authentischsten maledivischen Inseln zu erleben. Gemäss Betreiber sind es geräumige, private Zelt-Lodges, die für Reisende gedacht sind, die Natur, Abenteuer und Authentizität lieben und dennoch Komfort und Privatsphäre genießen. Zudem sei man tief mit dem lokalen Inselleben verbunden, mit 160 Einheimischen.
Die meisten lokalen Inseln sind mit den öffentlichen Fähren oder Insel-Booten deutlich günstiger als mit Wasserflugzeugtransfers zu klassischen Resorts zu erreichen. Die Infrastruktur ist einfach, und der Transport auf den Inseln erfolgt mit Fahrrädern oder Elektrofahrzeugen. Viele lokale Unternehmen, von Gästehäusern haben begonnen, den Touristenstrom zu nutzen und sprechen die Zielgruppe mit sehr günstigen Pauschalangeboten an. Da werden Pakete mit Veranstaltern aus Osteuropa, Russland oder China inklusive Charterflug für unter 2000.- geschnürt. Entsprechend findet man auf zahlreichen, lokalen Inseln Baustellen von neuen Gästehäusern. Aus meiner Sicht entsteht hier ein klassischer Billig-Tourismus und auf der anderen Seite eröffnen jedes Jahr neue Luxus-Resorts. Die Malediven bewegen sich hier aus meiner Sicht auf einer Gratwanderung, welche aktuell nicht zu bremsen scheint.
Die lokalen Inselbewohner sagen zwar, dass das neue Modell ihnen Einkommen bringt, aber auch eine erhöhte Verantwortung beim Umweltschutz. Viele von ihnen weisen darauf hin, dass die Touristen wegen Riffen, Stränden und Meeresfauna kommen und deren Verschlechterung sie direkt beeinträchtigen würde.

Auf bewohnten Inseln müssen Touristen lokale kulturelle Regeln befolgen, das ist sicherlich gut. Die Malediven sind ein überwiegend muslimisches Land, daher gibt es speziell touristische Gebiete, wie zum Beispiel „Bikinistrände“, in denen westliche Badeanzüge getragen werden dürfen. In den übrigen öffentlichen Räumen ist jedoch eine bescheidene Kleidung erforderlich. Alkohol ist auf den bewohnten Inseln verboten und nur in privaten Gästehäusern erhältlich.
Das Luxusresort-Segment bleibt weiterhin wichtig für die lokale Wirtschaft, aber viele Resorts verfolgen nachhaltige Praktiken, wo Programme zur Reduzierung von Einwegplastik, Wiederverwendung von Materialien und Rehabilitierungsmaßnahmen für Riffe Teil der Innenpolitik sind. Gäste können an Korallenplantagen und Lagunenreinigungen teilnehmen.
Ein weiterer neuer Trend zeichnet sich bei den Malediven-Besucher (vor allem aus Asien) ab: Man geniesst zuerst einen Aufenthalt auf einer lokalen Insel und danach ein paar Tage in einem Resort, um sowohl vom kulturellen Erlebnis als auch von den klassischen Einrichtungen der Malediven zu profitieren. Die Preise variieren stark: Hostels haben erschwingliche Preise, mittelgroße Resorts kosten etwa 500 Dollar pro Nacht, und Ultra-Luxus-Resorts kosten über 1.000 Dollar pro Nacht.
Die Transformation des Tourismusmodells auf den Malediven setzt sich also fort, und die Behörden behaupten, dass die Ausweitung des lokalen Tourismus und die Förderung der Nachhaltigkeit die Richtungen sind, durch die der Archipel seine Ressourcen schützen und eine wachsende Zahl von Besuchern anziehen kann.
Wir sind gespannt.







