Ein Hoch auf die Azoren – Naturerlebnisse mitten im Atlantik

Detlef Berg Von Detlef Berg
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Die meisten kennen die Inselgruppe der Azoren nur aus dem Wetterbericht, wenn von einem stabilen Hoch die Rede ist. Als Urlaubsziel sind die zu Portugal gehörenden Inseln allerdings noch weitgehend unbekannt.

Das Wetter gehört nicht gerade zu den Dingen, auf die man sich verlassen sollte. „Wir haben hier jeden Tag alle vier Jahreszeiten“, erklärt uns Bruno Resendes, geboren und aufgewachsen auf Sao Miguel, der größten der neun Azoreninseln. Regen und Sonne, Nebel und Wolken wechseln in rasantem Tempo, und dazu weht fast immer ein kräftiger Wind.

Diesem Klima und den fruchtbaren vulkanischen Böden verdanken die Inseln ihre üppige Vegetation. Vor allem riesige Hortensienbüsche prägen das Bild. Von Juni bis September blühen sie in Blau und Violett und säumen Wege und Straßen. Doch Pflanzenfreunde finden viel mehr in diesem immergrünen Gewächshaus: Strelitzien, Geranien, Wacholdersträucher, riesige Farne, Lorbeer- und Zedernwälder. Sogar Ananas, Zuckerrohr und Tabak gedeihen hier, und auf der Insel Sao Miguel gibt es die einzigen Teeplantagen Europas.

Ponta Delgada, die quirlige Hauptstadt von Sao Miguel, ist der perfekte Ausgangspunkt zur Erkundung der Insel und mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP über Lissabon gut zu erreichen. Serpentinenstraßen führen aus der Stadt hinauf zur Vista do Rei, dem „Königsblick“. Der Blick auf den doppelten, 300 Meter tiefer gelegenen Kratersee ist ein Geschenk der Superlative der Natur und das meistfotografierte Motiv der Azoren. Der eine See leuchtet grün, blau der andere, vorausgesetzt Wolken und Nebel hüllen sie nicht ein.

Im Furnas-Tal erleben wir, dass der vulkanische Ursprung der Insel immer noch spürbar ist. Heiße Thermalquelle sprudeln und sorgen im Wellness-Hotel Octan das ganze Jahr über für das Wohlbefinden der Gäste. Unser Weg führt uns allerdings nicht ins Spa, sondern direkt zu Mauro in die Küche des Restaurants A Terra. Unsere Aufgabe ist es, die großen Töpfe mit Zutaten zu füllen. Ja, ein Schweineohr ist dabei und auch Fleisch vom Rind und Huhn. Dazu kommen in genau festgelegter Reihenfolge Kohl, Karotten und Kartoffeln. In einem kleineren Topf wird die vegetarische Variante des Cozido das Furnas vorbereitet. In Jutesäcke verpackt versenken wir die Töpfe in heiße Erdlöcher, wo sie durch den Schwefeldampf ihr einzigartiges Aroma erhalten. Die Garzeit beträgt rund sechs Stunden, und die Zeit bis zum Essen verbringen wir mit einer Wanderung von den Kochstellen rund um den Furnas-See. Anschließend besuchen wir eine der schönsten Gärten, den Parque Terra Nostra. Wer mag, kann im Schatten von mächtigen Baumriesen ein wohltuendes Bad im bräunlichen Thermalwasser nehmen oder die prächtigen Kamelien, Bromelien und Azaleen bewundern. Sogar eine Gingko-Allee gibt in der Anlage.

Am nächsten Tag erkunden wir die Mitte der Insel Sao Miguel. Dort wetteifert der Lagoa do Fogo mit dem „Königsblick“ um die Gunst der Fotografen. In einem erloschenen Vulkan, umgeben von steilen, üppig bewachsenen Hängen, schimmert die „Feuerlagune“ mit ihrem blaugrünen Wasser. Einer der besten Aussichtspunkte ist der Miradouro da Barrosa, von dem Fotografen die dramatische Kulisse perfekt einfangen können. Die Lagoa do Fogo ist auch ein beliebtes Wanderziel. Ein elf Kilometer langer Rundwegführt durch Wälder und Kraterlandschaften mit spektakulären Ausblicken, erfordert aber eine gute Kondition.

Wer die Hauptinsel Sao Miguel kennengelernt hat, sollte auch andere Inseln der Azoren besuchen. Jede hat ihre Besonderheiten. Ein Hoch auf die Azoren!

WWW.AZORES.COM; WWW.FLYTAP.COM

 

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Detlef Berg ist freier Reise-Journalist und reist seit Jahren durch die ganze Welt. Dabei hat er weit mehr als 100 Länder und alle Kontinente besucht. Über seine Reisen berichtet er in verschiedenen Tageszeitungen und Magazinen und sehr oft ganz exklusiv für uns. Weiter gehört er seit Jahren zu den Top-10 Reise-Journalisten in Deutschland.