Karibisches Flair, Regenwald und Maya-Kultur – das bietet das kleine Land
Ein gewaltiges Wolkenfeld zieht drohend heran. Kurz danach erleben wir sintflutartigen Regen. Und das ausgerechnet heute, wo wir einen Ausflug zum Schnorcheln auf eine der vorgelagerten Inseln gebucht haben. Das fällt wohl im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, denken wir. „Lasst uns erstmal zum Bootsanleger fahren, vielleicht hört der Regen ja auf“, bemüht sich unser Guide Patrick um etwas Optimismus. Wir zwängen uns in Tauchanzüge, passen Flossen und Masken an – und es regnet munter weiter. Doch dann die Überraschung – kurz bevor wir Laughing Bird Caye erreichen, lösen sich die Regenwolken auf und die karibische Sonne taucht das kleine Eiland in schönste Farben. Sie ist nur eine von rund 200 Inseln, Mangroven- und Robinson Crusoe-Flecken, die das 180 Kilometer lange Belize Barrier Reef umsäumen. Weiter draußen liegt noch das Blue Hole, Belizes berühmtester Tauchspot. Das kreisrunde Loch ist 130 Meter tief und wurde in den frühen 1970er Jahren von Jaques Cousteau erforscht. Das lockt Taucher aus aller Welt an.
Wir begnügen uns mit Schnorcheln, und das ist schon aufregend genug. Bereits vom Strand aus sehen wir einen fast zwei Meter großen Hai. „Das ist ein friedlicher Ammenhai, der tut nichts“, beruhigt uns Patricia. Also gibt es kein zurück, und wir tauchen ein in das glasklare Wasser. Wir sehen Seegurken, Muränen, Seesterne, riesige Muscheln, eine bunte Korallenwelt und sogar einen wunderschönen Feuerfisch, der mit seinen großen, fächerförmigen Brustflossen mit feinen Stacheln sehr auffällig ist. Einem Hai sind wir nicht mehr begegnet.
Die Karibikküste ist aber nicht der einzige Schatz, den das kleine Land – flächenmäßig etwa so groß wie Hessen – mit seinen rund 400 000 Einwohnern aufzuweisen hat. Der größte Teil von Belize ist unberührte Natur, nur wenige Straßen erschließen das Land. Deshalb klettern wir in eine kleine Cessna von Tropic Air, die uns in einer halben Stunde in den äußersten Süden nach Punta Gorda bringt.
Nate steht am Rollfeld und bringt uns mit dem Jeep zur Copal Tree Lodge. Die Hotelanlage liegt auf einem Hügel mitten im Regenwald. Aus der sie umgebenden 3 000 Hektar großen Farm kommen die meisten Zutaten für die landestypischen Gerichte, die im Gartenrestaurant auf den Tisch kommen. Auch Kaffee und Kakao wachsen hier, und nicht zu vergessen – Zuckerrohr. Den daraus erzeugten Rum verkosten wir gleich bei einem Tasting. Ducky erklärt uns die Herstellung des Copalli Rums aus nur drei Zutaten – Zuckerrohr, Regenwaldwasser und Hefe, und er mixt wunderbare Cocktails. Der Liebling der Gäste – der frische und rosa im Glas leuchtende Watermelon Smash aus Rum, Minze, Limone und Melonenstücken.
Bei einer Wanderung durch den Regenwald macht uns Nate mit der Vielfalt der Pflanzen bekannt. Viele von ihnen sind essbar wie etwa die „Jippi Jappa“. „Von dieser Palme können wir fast alles nutzen“, erklärt er. „Die frischen Triebe kann man gleich so essen, andere werden gekocht und mit Bananen zum Frühstück serviert“. Aus den Blättern der Palme flechten geschickte Hände wunderbare Körbe, eine überlieferte Tradition der Mayas.
Ein anderes Erbe der Maya-Kultur erkunden wir am Nachmittag in Lubaantun. Es sind die Ruinen von Tempeln, und es braucht etwas Fantasie, um sich die einstigen Dimensionen dieser Bauwerke aus den Jahren von 700 bis 850 nach Christus vorzustellen. Einzigartig sei, so erfahren wir von Nate, das alles ganz ohne Mörtel erbaut wurde. „Jeder Stein wurde sorgfältig ausgemessen und so zugeschnitten, dass er genau zu den anderen Steinen passte“. Am Abend erleben wir bei einem traditionellen Essen in einem Dorf die herzliche Gastfreundschaft der Menschen. Der Abschied von Belize fällt schwer.








